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Ein Spaß für die ganze Familie - Westfälische Nachrichten vom 03.09.2012



So sind eben kleine Schwestern – als könnten sie kein Wässerchen trüben. Recht unbeteiligt wirkt das kleine Mädchen als sie mit wachen Augen ihre beiden großen Brüder beobachtet, wie sie sich bemühen, den bunten Golfball ins zehnte Loch zu bugsieren. Der Schnuller im Mund verstärkt noch den Eindruck des gespielten Desinteresses.

Doch kaum ist die Jüngste im Bunde endlich am Zug ändert sich dramatisch die Lage. Mit beiden Händen wird flugs der Schläger ergriffen. Rasch der Schnuller ausgespuckt, kurz Maß genommen und schon rollt der Ball wie auf Schienen in die gewünschte Richtung, bleibt erwartungsgemäß passgenau kurz vor dem gewünschten Ziel liegen. Das Einputten ist jetzt nur noch reine Formsache. So beginnen Golfer-Karrieren. Zugegeben, Oma hielt dabei das schwere Ende des Schlägers fest, aber derartige Kleinigkeiten eignen sich eher für Legenden in der Familienchronik.

So ein elitärer Sport in Lüdinghausen? Muss das sein? Macht denn so etwas überhaupt Spaß? „Ja“ – wie jetzt die ersten Fans lauthals bekunden. „Vor einer Woche wollten wir eigentlich ins Maislabyrinth gehen“, berichtete die Lüdinghauserin voller Begeisterung. „Wir hatten alles dabei, Gummistiefel, Regenjacke, Proviant. Doch der unwegsame Boden auf dem Acker machte uns einen Strich durch die Rechnung“. Dann luden Marie und Bernhard Große Ophoff die Familie ein, die neueste Attraktion auf ihrem Hof in Bechtrup auszuprobieren: Bauerngolf.

Gesagt getan. „Anfangs hatte ich so meine Probleme mit Schläger und Ball, aber nach einer Weile hatte ich den Dreh raus und es machte einfach nur noch Spaß.“ Bereits am zehnten Loch endete jedoch das sportliche Vergnügen. Schnell kam daher der Gedanke auf, eine Woche später erneut wieder den Ball über das Grün zu treiben.

„Die Idee zu dieser jungen Sportart hatte vor etwa zehn Jahren ein niederländischer Kollege“, verrät Landwirt Bernhard Große Ophoff. Jenseits der Grenze habe Bauerngolf schon viele Anhänger gefunden. Selbst Meisterschaften werden dort bereits veranstaltet. Trotzdem verteilen sich erst 200 Plätze auf 14 Länder weltweit. Einer davon befindet sich in Bechtrup. Zwar benötigt niemand eine Platzreife, um die bunte, etwa handballgroße Kugel über den Parcours zu dreschen. Etwas Übung ist dennoch vonnöten, weiß Bernhard Große Ophoff. Doch spätestens nach dem dritten Abschlag ist es Routine, dann steht das Vergnügen im Vordergrund.

Zehn Löcher, verteilt über gut fünf Hektar, bieten auf diese Weise ein gut 90-minütiges Vergnügen. Schwierig wird es zwischen dem sechsten und siebten Abschlag. Hier ist eine Distanz von 190 Metern zu überwinden. Ein Holzstab mit Holzschuh reichen als Sportgerät vollkommen aus. Für weite Schüsse die Schuh-Außenseite, für die filigrane Feinarbeit die Innenseite, lautet die Richtschnur.

Auch wenn sich das Ende des Maislabyrinths abzeichnet – die Ernte ist für Ende September geplant – Bauerngolf lässt sich durchgängig selbst in der etwas kälteren Jahreszeit spielen. Und wer weiß, vielleicht trifft sich ja in wenigen Jahren die internationale Elite der Bauerngolfer just mitten im Münsterland, in Lüdinghausen, um hier die Besten ihrer Zunft zu ermitteln.